„Nun aber bleiben, Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ 

Es ist irgendwie unwirklich, bei strahlendem Frühlingswetter durch die leere Überlinger Altstadt zu laufen - viele bleiben vernünftigerweise zuhause. 

Diese Zeit ist und wird noch - je länger desto mehr - zu einer Herausforderung für alle: die alleinlebenden Alten, die keinen Besuch mehr von Kindern und Enkeln bekommen; die Geschäftsleute, die um ihre Existenz bangen; die Familien mit kleinen Kindern, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt; die Jugendlichen, die ihre Freunde nic

ht mehr treffen können; Schüler und Lehrer, die sich nur online vernetzen können; Kulturschaffende und Veranstalter, die sich lange und intensiv auf Veranstaltungen vorbereitet haben, die nun abgesagt werden müssen; und keine Gottesdienste. All das ist nicht leicht auszuhalten und manchmal zum Heulen. Das wir jetzt in der Fastenzeit Gemeinschaft, Kultur, Genuss und Erholung fasten müssen, war so nicht geplant. 

 

Dietrich Bonhoeffer schreibt in „Widerstand und Ergebung“: 

„Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. 

Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

Darum fürchten wir uns nicht. Es ist auch gut mal ein paar Gänge runter zu schalten, nicht überall zu sein und pausenlos Neues erleben zu müssen. Und es ist gut, zu erleben, was einem wirklich wichtig ist und was gerade fehlt: nämlich Gemeinschaft, Kontakt zu anderen. Ohne das verhungern wir auf Dauer innerlich. Trotzdem verlangt diese Situation es so. Das ist bitter in vielerlei Hinsicht. Gerade wir Christen leben von der Gemeinschaft untereinander - und gemeinschaftliches Leben kann und soll gerade nicht möglich sein. Aber Gottesdienst heißt für mich nicht nur die Zusammenkunft sonntags in den Kirchen. Gerade auch die tätige Nächstenliebe und die Rücksicht aufeinander ist Dienst des Menschen an Gott. Und gerade die Liebe zum Nächsten gebietet es zur Zeit Abstand zu halten. Gleichzeitig  wissen wir uns verbunden: jeden Abend um 19 Uhr läuten die Glocken, jeder kann eine Kerze als Hoffnungslicht ins offene Fenster stellen, das alte Lied „

Der Mond ist aufgegangen“ singen und das Vaterunser beten. Viele andere Christen in der Stadt stimmen zur selben Zeit mit ein. Ein schönes Zeichen der Verbundenheit. Gemeinschaft auf andere Art.
Gemeinschaft auf andere Art können Sie auch mit unseren kirchenbezirksweiten Online-Gottesdiensten erleben (siehe linke Seite). Oder sich auch ökumenisch in Überlingen umschauen (siehe linke Seite unten) 

Viele Informationen und Links finden Sie auch unter www.ekiba.de/kirchebegleitet

 

„Nun aber bleiben, Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ 

 

Dekanin Regine Klusmann